Homöopathie

Auch der Homöopathie liegt eine ganz andere Philosophie als diejenige der westlichen Schulmedizin zugrunde. Krankheit ist das Resultat von ‚verstimmter Lebenskraft‘ oder gestörter Ordnung, die nicht ein Organ, sondern grundsätzlich die gesamte Einheit des Menschen aus Körper, Geist und Seele betrifft. Insofern ist das Ziel nicht, einzelne bestehende Symptome (z.B. Bauchschmerzen oder Hautausschlag) zu bekämpfen, sondern vielmehr den Menschen ganzheitlich anzusehen. Krankheit im Sinne der Homöopathie ist das, was sich als Selbsthilfeversuch des Gesamtorganismus in Richtung Gesundheit zeigt.

Bei der Behandlung bedient man sich der Ähnlichkeitsregel: „Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“. D.h. das Arzneimittel, das bei einer gesunden Person möglichst genau die Symptome hervorruft, die der Patient zeigt, vermag bei dessen Erkrankung am besten zu wirken.

Aconitum napellus (Blauer Eisenhut)

Hahnemann stellt im Verlauf seiner Forschungen fest, dass die Verdünnung (Potenzierung) eines Wirkstoffs, seine Wirkung erhöht und verlängert. Das klingt zunächst paradox und widerspricht allen (heute vorhandenen) naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Soll eine Lösung, in der auf molekularer Ebene kein Wirkstoff mehr nachweisbar ist, überhaupt wirken – oder gar noch besser als eine gesättigte Lösung? Und falls das so sein sollte, beruht das dann auf dem Placebo-Effekt?

Homöopathen schreiben die Wirkung von potenzierten Mitteln nicht der ‚körperlichen Substanz‘ oder physischen Wirkung des Arzneistoffs zu, sondern einer diesem innewohnenden ‚immateriellen, spezifischen Arzneikraft‘, die durch das Dynamisieren frei geworden ist. Es geht also um eine immaterielle Energiezufuhr oder Informationsweitergabe.

Und zum Thema Placebo ist vielleicht der Versuch einer Schweizer Forschungsgruppe um den Physiker Stephan Baumgartner interessant: Man hat eine Population von Wasserlinsen (Entengrütze) als Untersuchungsobjekt gewählt, weil sie als Aronstabgewächs ziemlich einfach strukturiert ist. Diese Pflanzen wurden also mit einer Dosis Arsen vergiftet, welche sie nicht tötet, aber messbar im Wachstum hemmt. Nun wurde die Gruppe zweigeteilt. Eine (Kontroll-) Gruppe wurde mit normalem Wasser versorgt und die andere erhielt weiterhin Arsen, jedoch in potenzierter Form (nach der Ähnlichkeitsregel). Mit peniblen Messungen konnte festgestellt werden, dass diejenige Gruppe, die Arsen-Potenzen erhielt, sich deutlich besser erholte als die andere.

Neben der klassischen Homöopathie, die versucht, den Menschen in seiner Ganzheit grundlegend zu erkennen und darauf folgend möglichst genau das Mittel (in der richtigen Potenz) zu finden, das als Konstitutionsmittel wirken kann, wird Homöopathie auch mit Komplexmitteln betrieben. Hierbei kommen Kombinationen zur Anwendung, die bei einem vorliegenden Krankheitsbild aufgrund empirischer Forschung sehr gut wirken.